Ätherische Öle – Medizinisch betrachtet

Ätherische Öle – Medizinisch betrachtet

Unter ätherischen Ölen werden leicht verdampfende, ölige, flüchtige Pflanzenextrakte aus Pflanzenteilen oder Pflanzen verstanden, die einen starken, charakteristischen Geruch aufweisen. Fette Öle verdampfen niemals vollständig und hinterlassen auf Löschpapier einen charakteristischen Fettfleck. Ätherische Öle verdampfen dagegen vollständig, ohne einen Fettfleck zu hinterlassen. Ätherische Öle bestehen aus unterschiedlichen Komponenten, sie sind fettlöslich und frei von fettigen Bestandteilen. Ätherische Öle sind in Wasser nur sehr schwer löslich und schwimmen als kleine, fettartige Tröpfchen auf der Wasseroberfläche. Von den etwa 350000 bekannten verschiedenen Pflanzenarten auf der Erde eignen sich etwa 2500 für die Gewinnung von ätherischen Ölen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von ätherischen Öldrogen.

Ätherische Öle als Heilmittel

Ein weiterer großer Teil der Pflanzenarten enthält geringe Spuren von ätherischem Öl, das allerdings für eine kommerzielle Verwertung nicht geeignet ist. In keiner pflanzlichen Hausapotheke dürfen Arzneizubereitungen mit ätherischen Ölen fehlen. Ätherische Öle müssen im Rahmen eines Diätplanes nicht berücksichtigt werden, denn sie sind frei von Kalorien. In der Volksheilkunde werden ätherische Öle seit Langem wegen ihren keimtötenden, entgiftenden und antioxidativen Eigenschaften geschätzt. Duftpflanzen enthalten mehrheitlich höchstens 1 bis 2 Prozent an ätherischem Öl. Nur wenige Duftpflanzen, beispielsweise die Gewürznelke, können diesen prozentualen Anteil deutlich übertreffen. Für die Gewinnung eines einzigen Tropfens eines reinen Rosenöls sind etwa 30 Rosen erforderlich.

Die Wirkung von ätherischen Ölen auf die Psyche

Ob ein ätherisches Öl nun eher anregend oder beruhigend wirkt, kommt ganz auf die Pflanzenart und deren Inhaltsstoffe an. Inhaltsstoffe ätherischer Öle mit überwiegend entspannender Wirkung fördern Fantasie, spielerische Neugier und Einfallsreichtum und können helfen Stimmungstiefs zu überwinden, indem sie übermäßige Emotionen glätten. Die unmittelbare Wirkung ätherischer Öle regt also die rationale Gefühlswelt an. Anregende Duftessenzen wiederum fördern Durchsetzungskraft und logisches Denken, geben den Gedanken mehr Klarheit und Struktur und lösen angstvolle Gedanken. Indem ätherische Öle durch ihre botenstoffähnlichen Eigenschaften regulierend wirken, förden sie so, wenn auch nur indirekt, das seelische Wohlbefinden und damit die Gesundheit.

Ätherische Öle wirken ausgleichend auf das unwillkürliche Nervensystem

Auch das sogenannte vegetative Nervensystem profitiert von der Wirkung ätherischer Öle. Herzschlag, Verdauung, Atmung, aber auch der Geruchssinn entziehen sich einer rationalen Kontrolle. Und so vermögen es die ätherischen Öle durch ihren Duft innere Organe zu beeinflussen, ohne dass dies zunächst bemerkt wird. Das Herz schlägt ruhiger oder die Atmung kann verlangsamt oder vertieft werden durch den gezielten Einsatz ätherischer Öle. Auch beim Kochen werden gerne Kräuter eingesetzt, die einen besonders hohen Anteil an ätherischem Öl aufweisen. Alleine der Duft von Thymian oder Basilikum ist bereits appetitanregend, das ätherische Öl dieser Kräuter bewirkt also, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Andere alkoholische Zubereitungen mit einem hohen Anteil an ätherischem Öl, beispielsweise Anis- oder Kümmelschnaps, regen den Appetit und die Verdauung an.

Die therapeutische Anwendung von ätherischen Ölen

Für medizinische und kosmetische Zwecke werden ätherische Öle mit großem Erfolg, beispielsweise in der Aromatherapie, eingesetzt. Auch bei magischen und religiösen Ritualen finden ätherische Öle gerne Verwendung. Längst nicht alle naturbelassenen ätherischen Öle sind wissenschaftlich ausreichend untersucht. Die desinfizierende Wirkung von Salbei, Thymian oder Salbei konnte aber bereits nachgewiesen werden. In der Aromatherapie geht man davon aus, dass ätherische Öle bei deren Anwendung den Körper auf zweierlei Weise beeinflussen. Zum einen werden ätherische Öle beim Einatmen oder Einreiben von Schleimhaut und Haut aufgenommen, bei einer Einnahme auch von der Darmschleimhaut. Zum anderen gelangen ätherische Öle beim Einatmen zu den Riechnerven, wo sie in Form elektrochemischer Signale ans Gehirn weitergeleitet werden. Dieser Vorgang steht in enger Beziehung zu Immunsystem und Hormonproduktion des Organismus. Beliebte Formen der Anwendung sind Inhalation, Aromalampe oder Aromabad. Mittlerweile werden ätherische Öle auch synthetisch hergestellt.